Kleingärtner Schorsch, der König der Garten-Scholle, erzählt

Das Kind im Manne

  Tach auch, immer wieder stell ich fest, dat in olle Sprüche meist son bisken Wahrheit steckt. So auch in den Spruch: „In jedem Mann steckt auch ein Kind“, wat in den erlebten Fall aber eine Frau war.

  Mal von Anfang an. Dat Spielgerüst auffen Spielplatz inne Anlage war, wie unsereins auch, inne Jahre gekommen. Wat nix anders heißt dat der Zahn der Zeit speziell anne Holzkonstruktion genacht hat. Folgerichtich hat der Vorstand beschlossen, selbiget zu demontieren und wat neuet anzuschaffen. Nach eine allgemeine Befragung der Kinder, sowat gibbet tatsächlich, stand fest: Wir stellen eine Schaukel auf.  Gesagt, getan und im Schweiss vom Angesicht, war tatsächlich extrem heiß an den Tach, wurd der erste Teil, die Demontage, umgesetzt. Dat besondere an diese Aktion war, allet ohne Gemeinschaftsstundenanrechnung (wat für ne geile Wortschöpfung)

  Ne Woche später wurde dat Schaukelgerüst aufgestellt, bei eine extreme Hitze, wenne verstehs, wat da los war. Ersma wurden son paar Löcher ausgehoben, war schwierich wegen der Sandschicht, die numal auf son Spielplatz vorherrscht. Dann dat Gestell zusammenbauen und in Betonfundamente einsetzen. Als letztet wurde dat Areal, also die Umgebung, abgesperrt. Beim Betonmachen stellte sich heraus, dat unsereins nich mehr so gut drauf is wie früher, nach kurzer Zeit wurden an einigen Händen Blasen sichtbar. Pech!

  „Wann werden die Schaukeln angebracht?“ wollte schon tags drauf eine Mutter wissen. Die Antwort: „Wenn dat soweit is“. Eine weitere Woche später, die Fundamente waren zur Zufriedenheit ausgehärtet, wurden die Schaukeln montiert. Mit großen Brimborium wurde das neue Spielgerät eingeweiht und anne Kinners übergeben. Die ham von nun an ihr Späsken damit.

  Soviel zur Vorgeschichte. Getz wird dat interessant. Mittwochabend war ich spät dran und machte mich auffen Heimwech, mit ein klein Umwech an Vereinsheim vorbei, zwecks Beschauung von Aushang. Bein intensiven Studium selbiget wurd ich auf einmal gestört. Irgendeine Stimme juchtze laut und vernehmlich rum, kam ausse Richtung von Spielplatz. Also habbich mich vorsichtich anne Ecke von Vereinsheim rangepirscht und staunte nicht schlecht von den, wat ich da zu sehn bekam.

  Zwei Mädel, beide schon gut jenseits vonne 50 (oder etwa schon älter??) und ein Kumpel aussen Garten machten den Spielplatz unsicher. Wat in den Fall auf die neue Schaukel beschränkt war. Die beiden Mädel, Elfriede und Marta, schaukelten um die Wette und ließen die Kleider fliegen. Angefeuert von den Göttergatten vonne Elfriede, den Hubbert, ging dat in wahrsten Sinne vonne Worte hoch her. Und dann gesellte sich auch noch Brigitte dazu: „Leute, kommt dat Kind bei euch wieder durch“. Als dann keine Antwort kam hatte sie sofort ne Idee. „Hubbert, nimm dein Handy und mach ein Video“, sacht sie, „schickse dat deine Schwiegertochter, die kann dat dein Enkel zeigen damit der sieht, wat der für ne tolle Omma hat und wat die neue Schaukel kann“. 

  Hubbert setzte dat gesachte sofort inne Tat um, kramte sein Handy ausse Hosentasche  und begann zu filmen. Marta und Brigitte gaben Anweisungen, wie und aus welche Position Hubbert dat zu machen hat, wat der auch unmittelbar umsetzte. Dat Spielchen wurde plötzlich von ein lauten Aufschrei unterbrochen: „Stop, Stop, sofort Schluss mit aufnehmen“, schrie Brigitte, „man kann den Schlüppi von Elfriede sehn“. Und wat passierte? NIX. Hubbert hantierte munter weiter mit sein Handy rum. Erst ein weiterer Zwischenruf ließ ihn aufmerken.

  „Toll, allet in Kasten und auch schon gesendet“, ließ Hubbert verlauten und blickte stolz inne Runde. „Böse Falle“, bemerkte Marta, „los, wir müssen uns ansehn, ob wir dat Video aussen Verkehr ziehn müssen. Vielleicht kann die Schwiegertochter dat ja auch noch löschen“. Folgerichtich stellten sich die vier zusammen und betrachteten dat, wat Hubbert aufgenommen hat. „Kein Problem, is garantiert Jugendfrei und kann auch dein Enkel vorgeführt werden“, sachte Marta nach kurze Zeit. Sofort danach schrillte dat Handy.  Hubbert nahm dat Gespräch entgegen und fing dabei an zu grinsen. „War unser Schwiegertochter. Ludger, dat wat unsern Enkel is, is ganz begeistert“, berichtete er, nachdem dat Gespräch beendet war. „Er liecht seine Ellis inne Ohrn von wegen vorbeikommen um die Schaukel zusammen mit Omma Elfriede in Beschlach zu nehmen“. Allet schien in Butter bis sich plötzlich mein Handy bemerkbar machte.

  „Kumma, der Schorsch“, rief Brigitte und an mich gerichtet, „hömma, hasse uns beobachtet und dat allet mitgekricht?“ Wahrheitsgemäß habbich dat bestäticht und mit einem Augenzwinkern geantwortet: „Allet  mit den Handy dokumentiert, für den Fall, dat die Schaukel ein Schaden hat von wegen der Belastung in Regressfall“. Die Vier kuckten ganz verdattert und als erste konterte Marta: „Da braucht ihr keine Sorge zu ham, erstens kann der Schorsch mit sein Handy nur telefoniern und zweitens wurde mir von ein aussen Vorstand bestäticht, dat sonne Schaukel für 120 Kilogramm Belastung ausgelecht sei, wat bei uns beiden ja garantiert nich der Fall is“.

  „Da wäre ich mir nich so sicher, dat ich mit mein Handy nur telefoniern kann“, konterte ich, „aber mal in Ernst, wenne so in unsern Alter aufne Schaukel sitzt fühlste dich doch gleich 30 Jahre jünger, oder?“ Alle nickten zustimmend.

  Danach ham wir uns noch wat über den Spruch „In jeder/m Frau/Mann steckt auch ein Kind“ unterhalten und anschließenden entspannt den Heimwech angetreten.            

  

© by F.W. 2018

Hinweis: Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist rein zufällig und nicht beabsichtigt.

 

Unser Schorsch treibt sein "Unwesen" nun auch auf der Homepage des KGV Emschertal, ein Besuch der dortigen Homepage lohnt sich.

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