Kleingärtner Schorsch, der König der Garten-Scholle, erzählt

Qualifikation ist alles

  Tach auch, wenne so richtich die Gazetten liest und die Nachrichten in TV oder Radio hörs is ein Thema immer dabei: Qualifikation. Je mehr du has, desto mehr Knete hasse inne Tasche und später auch bei deine Rente. Musse aber aufpassen, dat sich dat mitte Qualifikation  nich zu ein Schuss nach hinten entwickelt. Sowat ähnlichet hat dat bei uns in Verein gegeben. Aber mal von Anfang an.

  Markus und Jessica, zwei relativ neue aussen hinteren Abschnitt, konnze nie bei irgendeine Vereinsveranstaltung sehn. Deshalb war ich schon bisken wat erstaunt, dat der Markus vor gut vier Wochen bein Frühschoppen auftauchte. Beim Frühschoppen bei uns in Verein hasse ja immer die Möglichkeit, ein von Vorstand zu sprechen. Dat wollte Markus wohl auch, hatte aber dat Pech, dat unsern Vorsitzenden in ein Gespräch mit ein Gartenbewerber an Tisch saß. Ging schon gut auf 12 Uhr zu, als Markus endlich, nach zwei Fläschken Pils, anne Reihe war. Der dann folgende Dialog ließ alle Thekensteher aufhorchen.

Markus: „Tach, hasse mal kurz wat Zeit für ein wichtiget Anliegen? Ich bin aber in Eile, meine Jessica holt mich Punkt zwölf ab.“

Vorsitzender: „Na klar, Markus, wat hasse denn auffen Herzen?“

Markus: „Also, dat is so. Nächsten Freitach kommen meine Kolleginnen und Kollegen  ausse Bank zu ein Grillabend in mein Garten und da muss allet Pikkobello sein. Wenne verstehs, wat gemeint is.“

Vorsitzender: „Ok, wat is getz dat Problem?“

Markus: „Na ja, die Rabatte gegenüber von mein Garten is dat Problem.“

Vorsitzender: „Wat hat die Rabatte gegenüber von Euern Garten mit dein Besuch und deine Grillfete zu tun?“

Markus: „MAN müsste die mal von Unkraut befreien, die sieht schrecklich aus.“

Vorsitzender: „Wer ist MAN?“

Markus: „Ja, weiss ich doch nich, irgendeiner von Vorstand oder ein anderer, für sowat gibbet doch Gemeinschaftsarbeit.“

Der Vorsitzende fing dat Grinsen an und erwiderter: „Also, mein lieber Markus, erstens ham wir kein Mitglied Namens MAN. Zweitens, Vorstandsarbeit scheidet für sowat auch aus. Und drittens has auch du Gemeinschaftsarbeit zu leisten, also sage ich dir getz. Du pflegst die Rabatte gegenüber von Eurem Garten selbst und alleine, kannst dir ja dafür Gemeinschaftsstunden aufschreiben. Schnapp dir an besten gleich morgen nach Feierabend dat passende Werkzeuch und mach die Rabatte schön sauber.“

  Et war mittlerweile kurz vor zwölf. Markus schnappte nach Luft und ohne zu sehn dat seine Jessica schon einige Zeit inne Tür vonne Kneipe stand: „Für sonne Arbeiten fehlt mir die Qualifikation, Unkrautzupfen, dat ist Frauenarbeit. Oder wat fürn Fachberater. Ich bin für die wichtigen Arbeiten in Garten zuständich.“

  Vorsitzender: „Hömma, hasse wat nich richtich verstanden. In den Wort Fachberater steht nix von Arbeiten drin, vielmehr wat von Beraten. Gehse also zum Fachberater und frachs nach, ob er dir die benötichten Qualifikationen beibringt. Und noch wat, wat sind denn die wichtigen Arbeiten in dein Garten?“

Markus: „Is doch klar, GRILLEN. Dat andere erledigen meine Leute, ich muss nur dat Geld für dat allet ranschaffen.“ Immer noch nich hatte er bemerkt, dat seine Jessica mittlerweile fast direkt hinter ihn stand und ihr, konnze deutlich anne hochrote Farbe in ihr Gesicht sehn, langsam der Blutdruck anstieg. Dann platzte et aus ihr raus.

  „Mein lieber Schatz, dat reicht getz, über dat gehörte sprechen wir beide noch. Und damitte schomma eins klar siehs, ab sofort kannze DEIN Garten alleine in Schuss halten. Is nix mehr mit Frauenpauer oder Hilfe von dein Vadder. Dat mitte Rabatte gegenüber, die wirst du schön alleine herrichten, ohne Gemeinschaftsstunden. Und ab sofort kannze alleine auffe Couch schlafen, jenfalls so lange, bis dat mitte Gartenarbeit geregelt is. Denn ab sofort gilt in UNSERN Garten, erst wird gearbeitet, und zwar nur du ganz allein, dann erst kommt dat Grillen und chillen.“

  Den Markus, konnze deutlich sehn, war dat megapeinlich und hat ihn auch richtich anne falsche Stelle getroffen. Ihn fehlten offensichtlich die Worte, er grinste verlegen inne Runde, stand auf, bezahlte seine Zeche und schlich wie son begossenen Pudel nach draußen. Dicht gefolcht von seine Jessica. Die hat den  draußen ordentlich die Leviten gelesen, wie alle anne Theke deutlich hörn konnten. Dat bestätichte auch Gerd, der kurz drauf reinkam.

  Und wat war dat Ende von Lied. An Montachnachmittach hat Markus sein Leid unsern Fachberater geklacht, war aber bei den offensichtlich auf taube Ohren gestoßen. Wat aber zur Folge hatte, dat der den Markus auch den Marsch geblasen hat, so von wegen Gemeinschaftsarbeit.

  Beides hat aber Wirkung gezeicht, die Ansprache von seine Jessica und der Einlauf von Fachberater. Denn zur größten Überraschung aller hat er am Mittwochnachmittach damit begonnen, die Rabatte gegenüber von sein Garten von Wildkraut zu befreien, wat ihn bis zu seine Grillfete an Freitach wohl auch gelungen is.

 Am folgenden Sonntach berichtete der Fachberater bein Frühschoppen, dat die Rabatte gegenüber von Jessicas und Markus ihrn Garten in ein TOP Zustand sei. Und fügte schmunzelnd hinzu, dat ihn die Jessica erzählt habe, dat drei Nächte auffe Couch den Markus dazu gebracht ham, dat er plötzlich die Lust am gärtnern entdeckt hätte. Markus selbst hat ein paar Tage später bei sein Nachbarn verlauten lassen, dat er durch dat beackern von ihrn Garten sich den Gang inne Muckibude ersparn könne.

  Geht doch, Qualifikation is eben allet.

 

© by F.W. 05/2019

Hinweis: Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist rein zufällig und nicht beabsichtigt.

 

Unser Schorsch treibt sein "Unwesen" nun auch auf der Homepage des KGV Emschertal, ein Besuch der dortigen Homepage lohnt sich.

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