Kleingärtner Schorsch, der König der Garten-Scholle, erzählt
Hinweis: Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist rein zufällig und nicht beabsichtigt.
Die nachfolgende Geschichte darf ich mit Zustimmung unserer Fachberaterin Birgitt hier veröffentlichen. Dankeschön
Gut geträumt???
Hömma, wat ich hier zum Besten geb is nich erfunden, ne, dat is tatsächlich in Vereinsheim so abgelaufen. Und wann erlebse sowat, na klar, bein Kleingärtnertreff. Oder, wie dat die Liebhaber vonne geflechten Hopfenkaltschale dat präziser ausdrücken, bein Frühschoppen.
Gezz ma von Anfang an. Letzten Sonntach steh ich an mein Stammplatz an Tresen und unterhalt mich mitte Kumpel. Unsere Herrengruppe war an letzten Wochenende, übber Vattatach, auf Tour innet Alte Land. Der Vorsitzende saß, wie immer, an ein Tisch und war dabei, wat mit sein Läptop rumzumachen. Plötzlich ging die Tür auf und unsere Fachberaterin, die Birgitt kam rein, wie sonne Furie mit ein hochroten Kopp. „Tach“, knurrt sie, schaut sich um, sieht den Vorsitzenden, geht auf den zu. Baut sich vor den auf, die Hände inne Hüfte gestemmt. „Mit dir habbich auch noch ein Hühnchen zu ruppen“. „Wat is los, habbich wat falsch gemacht“, fracht der erschrocken. An Tresen verstummten die Gespräche, alle schauten nu gut hin.
„Deinetwegen bin ich heute morgen, kannze glauben, um sechs Uhr wachgeworden. Und dat schlimme, ich konnt nich wieder einschlafen“, sacht sie und grinste verdächtich. „Los, Birgitt, klär mich auf, wat is passiert“.
Also, dat war so, begann sie. „Ich hab ein Traum gehabt oder besser gesacht ein Alptraum und bin von den wach geworden. Dat allein is schomma ungewöhnlich. Gezz erklär ich dir, die andern können ruhich zuhörn, wat in den Traum abgelaufen is“. „Na, da sind wir ja mal gespannt“, sacht der Vorsitzende. Und Birgitt lechte los.
„Ich komm an Samstachnammichtach inne Anlage, in den Traum, und seh fast 20 Leute an ackern. Sehr ungewöhnlich, und dat um diese Uhrzeit. Und da steht doch tatsächlich Gerhard, unsern Stellvertreter, dumm herum und grinst mich an. Nebenbei gibt er ein vorbeigehenden Kleingärtner ein neuen Auftrach. Ich also zu den hin und frach, wat dat soll. Denn an den Tach waren keine Gemeinschaftstunden angesetzt worden und schomma garnich um diese Uhrzeit. „Dat habbich so angeordnet“, sacht Gerhard, „die Anlage sah verboten aus. Ihr wart ja auffe AIDA und keiner hat sich gekümmert. Also habbich die Leute bestellt und die zwei Zwerge als Aufpasser dazugeholt. Die passen auf, dat dat allet so läuft, wie ich mir dat vorstelle, ich kann ja nich übberall sein“. Bohey, mir schwoll der Kamm. Sowat is mir noch nie passiert. Macht der etwa mein Job? Und wer sind die Zwerge?
„Wat für Zwerge, die kennich nich“, sach ich und schaute wohl ziemlich dumm rum. Gerhard klärte mich auf: „Kuckst du da, die beiden klein Dicken. Die ham allet in Griff. Da liefen tatsächlich zwei kleine, kompakte Typen rum, beide, Männlein wie Weiblein kurze Hosen, geringelte T-Shirts, Strohhüte und Gummistiefel. Ein Bild für die Götter. Ich war sprachlos.
Nach ein kurzen Wortgefecht habbich den Gerhard steh gelassen und mich auffen Wech in unsern Garten gemacht. Gerhard rief mir noch hinterher: „Kannst dich ja bein Vorstand beschwern!“ Son Blödmann, ich bin ja selbst in Vorstand. Allet zusammen war zuviel von Guten.
Plötzlich seh ich, wie der Vorsitzende, in feinen Zwirn gewandt, innet Vereinsheim geht. Ich sofort dahin und seh, wie der sich in Flur mit ein Pärchen unterhält. Egal, den habbich ersma angemacht, so von wegen von den, wat da gerade abgelaufen is. Und wat sacht der: „Hasse wat geraucht oder bisse mitten falschen Fuss aussen Bett raus? Ich bin hier auf ner Hochzeit eingeladen und kann mich gezz nich mit son Kram beschäftigen“. Dat hat das Fass zum übberlaufen gebracht. Wutentbrannt habbich den die Vereinsschlüssel vor die Füße geworfen und angeschrieen: „gezz kannze den Scheiß alleine machen“ und bin aussen Vereinsheim raus und dann………dann, bin ich wachgeworden und konnte nich mehr einschlafen.
„Dat is ne traurige Geschichte“, sacht der Vorsitzende, steht auf und nimmt Birgitt in Arm. „Dat tut mir leid, als ein klein Trost spendier ich dir ne Hopfenkaltschale“. Die Kumpel an Tresen ham sich angeschaut und gegrinst. „Hoffentlich hasse heute Nacht nich wieder son Traum“, sacht Udo, „dat is nich gut für dein Nervenkostüm“, nahm sein Getränk und prostete die andern zu. Und wat gibt Uwe zum Besten: „Die hat gar kein Kostüm, die hat die Hosen an, frach der ihrn Ehemann“.
So sind wir Kleingärtner, immer empathisch und haben trotzdem Humor.
© by F.W. 05/2026
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