Kleingärtner Schorsch, der König der Garten-Scholle, erzählt

Hinweis: Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Der besonders gute Geschmack

 

 Tachgesacht, du bis ja heute vor nix mehr sicher. Kaum datte dich an wat gewöhnt has, zack, gibbet wat neuet. Is auch in Kleingartenwesen so, und, sogar bei uns in Verein. Inne letzte Zeit war dat mitte Gemeinschaftsstunden echt mau, so wie bei allen anderen Vereinen auch. Kaum ein vonne Mitglieder (egal ob Kumpel oder Mädels) war bereit, Hand anzulegen, wennet erforderlich war. Ständich mussten die Fachberater Bitten und Betteln, damit die Anlage nich verkommt. In Vorstand ham wir uns dran gewöhnt.

 Abber, letzten Samstach komm ich so gegen 11 Uhr inne Anlage und rieb mir die Klüsen. Da warn tatsächlich 15 Kumpel und Mädel anne Hacke. Ich sofort zur Fachberaterin hin und nachgefracht, wat los war. „Ne große Aktion habbich angesetzt und viele ham zugesacht, vielleicht auch, weil dat nache Maloche wat auffe Gabel gibt“, sacht Birgitt und grinste, „wird abber nich gegrillt“. Ich war sprachlos, wat selten genuch passiert und bin deshalb ersma ab innet Vereinsheim. Schon beim Öffnen vonne Tür kam mir ein Geruch entgegen, der mich inne Zeit um 40 Jahre zurückversetzte.

 Damals, bein Bau vonne Anlage, war dat üblich, dat Samstach für Samstach 25 bis 30 Kumpel anne Hacke warn. Und inne Baubude warn einige Frauen damit beschäfticht, wat leckeret auffen Teller zu bringen, wat dann so gegen 12 Uhr wechgefuttert wurde. Natürlich mit einer Hopfenkaltschale und andere Getränke.

 Doch noch bevor ich ganz in Flur drinwar kam mir ausse Küche mit hochtoten Kopp Elfriede entgegen. „Hömma, Schorsch, du als Mitglied in Vorstand muss dat sofort unterbinden“, plappert die los und deutet auffe Küchentür. „Wat soll ich unterbinden, is einer verletzt“, sach ich. „Noch nich, kann abber bald passiern“, krichte ich zur Antwort, „dat is wegen die Schantalle“. „Hä, wer is die Schantalle, soeine ham wir nich auffe Liste“, sach ich und kuckte wohl dämlich aussen Gesicht. “Dat is die, die mitte langen Fingernägel“, sacht Elfriede. Bei mir fiel der Groschen.

 Die Aufklärung. Gezz musse wissen wer die Schantalle is, dat is ein Spitzname von die, benutzt vonne andern Frauen, denn eigentlich heißt dat Mädel Carola, eine liebe, nette Mittvierzigerin. Immer top gesteilt, nich nur mitte Klamotten, auch mitten sonstigen Autfit. Und Carola war für ihre sehr sehr langen Fingernägel bekannt, die meist noch mit steilische Diseins verziert warn.

 Elfriede nahm mich in Flur beiseite und erklärte mir mit Verschwörer Miene flüsternd, wat inne Küche passiert war. Et sollte Frikadellen und Kartoffelsalat geben, wogegen ja nix einzuwenden war. „Schorsch, die Schantalle hat mit blosse Hände in den Klosteich vonne Frikadellen rumgeknetet, ohne Handschuhe. Wer weis, wat die vorher angepackt hat. Die hat, nachdem ich mich aufgerecht hab, gesacht, sie habe sich die Hände gründlich gewaschen. Abber die langen Fingernägel, keiner weis, wat sich darunter allet verbircht“, sacht Elfriede und schüttelte sich angeekelt.

 Ich hab dann versucht, die Wogen zu glätten. Dann habbich ihr gesacht, dat sowat damals bein Bau vonne Anlage völlich normal gewesen sei. Wir ham allet, wat et auffen Teller gab, dank unserer natürlichen Abwehrkräfte, problemlos übberlebt. „Elfriede, unsere Eltern ham uns gesacht, Dreck reinicht den Magen“. Hat nich geholfen und Elfriede hat fluchtartich dat Vereinsheim verlassen. Inne Küche wurde ich mit großen Hallo begrüsst und durfte sogar den Frikadellenteig und Kartoffelsalat probiern, allet sehr lecker. Auf dat Geschehen mitte Carola (Schantalle) und Elfriede angesprochen sachte Monika mit ein Augenzwinkern zu Carola, dann ham die Frikadellen jenfalls ein vernünftigen Geschmack, wat zur allgemeinen Heiterkeit beitruch. Die Geschichte is abber noch nich zu Ende.

 Punkt 12 Uhr läutete Monika die Glocke und rief zu den Tellern. Allgemeinet Gedränge und dann trat gefräßige Stille ein. Draußen auffen Spielplatz war auch Tina mit ihrn Sohnemann, Paul, 5 Jahre alt. Paul hatte sein Papa bei „der Arbeit geholfen“, seine Hände warn natürlich nich klinisch sauber. Tina war dabei das „Mittachessen“ für Paul ausse Tupperschale anzurichten, Apfelstückchen und zwei Milchschnitten. Monika sah das und rief Paul zu sich, „Paul, komma her, willze auch ne Frikadelle ham“, wat von den mit leuchtende Augen und ein Sprint zu Monika quittiert wurde.

 Und dann wurd dat spannend. Tina rannte ebenfalls los und noch bevor Paul ne Frikadelle inne Hand hatte, zoch sie aus ihrer Tasche, wohl eher ein „Kampfrucksack“, ein Feuchtreinigungstuch hervor und lechte los. Paul ließ klachlos die Reinigungsprozedur übber sich ergehn, und nahm abber „seine“ Frikadelle. „Monika, sind inne Frikadellen Zwiebel?“ frachte Tina, „Paul mag nämlich keine Zwiebeln“. Zwischenzeitlich hatte Paul abber kräftich in die Frikadelle reingebissen. „Na, Paul, schmeckts“, frachte Monika, und als Paul mit ein Grinsen nickte, zu Tina, „jawoll, inne Frikadellen sind auch Zwiebeln, is wegen den Geschmack und auch bisken wat Knofi“. Stille, und ein entsetzter Gesichtsausdruck bei Tina. Just in den Moment kam Markus, der Papa von Paul, aussen Vereinsheim und hatte, na wat wohl, ne Frikadelle in der Hand, abber mit Senf. Sein Sohn sehn und grinsen war eine einzige gleitende Bewegung in sein Gesicht. „Paul, schmeckt dir die Frikadelle“, frachte Markus sein Sohn, und als der erneut nickte, zu seine Tina, „gezz könnteste mal probiern, wie ne richtige gute Frikadelle schmeckt, denn mit Zwiebeln ham die ein richtich töfften Geschmack. Bei Tina, konnze sehn, stiech der Blutdruck, sie lehnte abber höflich ab und gab kleinlaut zu, dat sie keine Zwiebeln mag, wegen den Mundgeruch……ha ha ha. Markus berichtete an andern Morgen bein Kleingärtnertreff, dat seine Tina mächtich angesäuert war, wegen der zwiebeligen Frikadellen.

 So isset leider heute, unserein vonne Alten Garde, wir werden oftmals vonne „Generation Feuchttücher“ irritiert angesehen, wenn die feststelln, wat wir essenstechnisch so allet vertragen könn’n ohne gleich den Notarzt zu rufen. Damals wurden die Hände inne Pfütze gewaschen, Möhren ausse Erde gezogen, die anne Hose abgewischt und wechgefuttert. Denn damals gab et noch keine Feuchtreinigungstücher, keine drei Sekunden Regel, kein Fastfood, kein Blub in Spinat und trotzdem, is eigentlich bemerkenswert, dat wir dat übberlebt ham.

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