Kleingärtner Schorsch, der König der Garten-Scholle, erzählt

Verwandlungen

  Tach auch, kannze öfters inne Gazetten und auch inne soziale Netzwerke lesen, die sogenannten Stars machen immer wieder Verwandlungen durch. Klaro, die machen dat mit Kalkül, so von wegen bisken mehr Knete inne Patte. Aber, brauchse nich weit zu gehn, sowat passiert auch in klein und auch bei uns in Verein.

  Die Storri fängt vor gut zwanzich Jahre an, Ingrid und Hennes, beide so Mitte 40, sportlich gestählt und gut drauf, kamen neu in Verein und beackerten ihr neuen Garten. Wobei, dat mit den beackern war sonne Sache. Die verwandelten ihrn Garten so pö a pö in eine Partymeile. Verging kaum ein Wochenende, wo da nich Halligalli war. Mitte Schubkarre machte Hennes richtich Kilometer, vonne Laube zum Parkplatz und zurück, zum Transport von reichlich Kisten mit Getränken der Marke, die auch anne Arena vonne Blauweißen prangt. Ingrid schleppte derweil jede Menge Grillgut heran. Freiweg nach den Hennes sein Motto: Ein gut funktionierender Motor braucht perfekten Treibstoff, wat nix anders hieß wie ordentlich wat Fleisch auffen Grill und zum nachspülen dat ein und andere Bierchen. Hennes war damals zudem regelmäßich bein Frühschoppen dabei und auch bei die Herrenabende anzutreffen.

  Aber manchmal spielt dir dat Schicksal ein Streich. Ingrid hatte ein Unfall und urplötzlich war Hennes Witwer. Dat hat ihn ordentlich mitgenommn, vorbei mitte Besuche bein Frühschoppen und inne Herrengruppe. Auch der Garten verkam mehr und mehr, sehr zum Leidwesen der Nachbarn und von unsern Fachberater.

  Jedoch, bevor der Vorstand wat unternahm, trat eine erneute Verwandlung ein. Hennes, mittlerweile Anfang fuffzich, wandelte nach zwei Leidensjahre wieder auf Freiersfüßen.   Plötzlich war der Garten wieder in einem passablen Zustand und dann präsentierte Hennes seine neue Angebetete, Ines. Die Kumpel staunten nicht schlecht, war Ines doch gut zwanzich Jahre jünger als ihr Hennes. Und wieder vollzoch sich ne Wandlung in deren Garten. Die Partymeile entstand aufs neue. Und Hennes nahm, sehr zur Freude seiner Kumpel, wieder seinen ehemaligen Rhytmus auf. Samstachs Party, Sonntachmorgen Frühschoppen.

  So ging dat lustich weiter bis vor gut zwei Jahre plötzlich dat Thema Klimawandel auch inne Köppe von Ines und Hennes Einzuch hielt. Wohl eher bei Ines, denn wat folchte, passte den Hennes nich hundertprozentich in Kram. Ines war plötzlich der Auffassung, dat die vegetarische Lebensweise dat Beste für die Beiden sei, gut für die Figur sei dat sowieso. Nu musse wissen, dat der Hennes, wohl infolge von sein Alter, bisken wat ausse Form geraten war, Ines hingegen war immer noch rank und schlank.

  Und wieder machte der Garten ne Verwandlung durch, diesmal zur Freude von unsern Fachberater. Hennes krempelte, wohl nach Anweisung vonne Ines, den Garten radikal um. Da, wo bislang ein gepflegter Rasen war, entstanden Beete für Gemüse. Auch der Grill, einst das Paradestück von Hennes, wurde abgebaut. Den Hennes sah man immer häufiger mit grimmigen Blick und ein Glas Wasser nache Arbeit inne Beete auffe Terrasse sitzen, Frühschoppen und Herrenabende waren seitdem sowieso tabu.

  Einer vonne Nachbarn hat bei die Beiden mal vorsichtich nachgefracht, wat denn wohl der Grund für die Verwandlung sei. Ines erklärte voller Inbrunst, dat diese Lebensweise besser sei, für die Umwelt, die Tiere und für ihrn Hennes sowieso. Dat Jahr ging innet Land und in diesen Frühjahr kam dat mitten Coronavirus über uns. Man sah sich kaum noch inne Anlage, alle Festivitäten waren tabu. Als dat langsam wieder normaler wurde passierte et, wieder ging eine Verwandlung in Leben von Hennes und sein Garten über die Bühne.

  Vor ein paar Wochen traf ich den Uwe auffen Parkplatz. „Tach Schorsch, dat musse mit eigene Augen sehn“, quasselt der mich an. „Wat muss ich sehn?“ „Na, den Hennes sein neuen Grill. Ein Prunkstück mit Smoker und allen Pipapo“, sprudelte dat aus den Uwe raus. Also ham wir beide uns auffen Wech nach den Hennes sein Garten gemacht. Und tatsächlich, der Garten war, bis auf ein paar kleine Ecken, wieder in den Zustand wie vor drei Jahre. Zufällich warn die Beiden da, Hennes sah uns und lud uns auf ein Pülleken Bier ein. Erstaunt über diesen Sinneswandel habbich nachgefracht. Nach dem Prost kam auch Ines umme Ecke, grüßte freundlich und erklärte uns, wat denn für den erneuten Wandel verantwortlich sei.

  „Dat kam so“, sacht sie, „der Hennes is ja seit Dezember in Ruhestand. Bei seine Verabschiedung ausse Firma hat sein Scheff uns in ein Steakhaus eingeladen. Ich wollte ja ersma nich mitgehn, wegen den vielen Fleisch, watte da auffen Teller kriechst. Bin aber trotzdem mitgegangen, gehört sich ja so. Und als ich dann für den Hennes und für mich ein großen Salatteller bestellt hab, hat den Hennes sein Scheff eingegriffen. „Sind sie Vegetarier“, hat er gefracht. Als ich dat bejaht hab krichten wir ein Vortrach von den zu hörn, wat denn so die Nachteile von diese Lebensweise sind. Und mit ein Seitenblick auf seine Gattin meinte er auch, dat Mann schon richtich wat auffen Teller braucht, um sein Mann zu stehn. Patsch, dat hatte gesessen. Dann hat er für alle in Anschluss ein richtich vernünftiget Steak bestellt und gesacht, dat müsse speziell ich probiern. Wat soll ich sagen, dat hat richtich gut geschmeckt, und seit den ham wir unsere Ernährung wieder ein bisken umgestellt“.

  „Richtich, seitdem essen wir unsern Essen das Essen nich mehr wech und auch sonst läuft dat fast wieder so, wie in alte Zeiten“, beeilte sich Hennes zu ergänzen und grinste breit. Uwe stieß mich inne Seite und wir traten den Rückzuch an, hörten aber noch wie Hennes hinter uns herrief: „Wennet mitten Frühschoppen wieder losgeht komme ich auch wieder vorbei“. Und wat sacht dat Ines: „Machet“.

 

© by F.W. 09/2020

Hinweis: Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist rein zufällig und nicht beabsichtigt.

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